#1 schizophrenie von Anja 17.08.2009 16:29

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Schizophrenie: Krankheitsbild und Entstehung
Häufigkeit: Etwa 800.000 Bundesbürger erkranken mindestens einmal im Leben an einer Schizophrenie,erstmals meist zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr.
Erste Anzeichen: Bereits Jahre vor der Manifestation der Krankheit bestehen bei ca. 75% der Betroffenen Erlebnisveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten, die heute meist noch als Prodrome einer Schizophrenie unerkannt bleiben oder als vorübergehende Krisen, neurotische Konfliktreaktionen und andere psychische Störungsformen fehlgedeutet werden.
Je später eine sachgemäße Therapie beginnt, umso ungünstiger gestaltet sich der weitere Verlauf.
Die Hauptsymptome schizophrener Psychosen - Realitätsverlust mit Wahnideen und Halluzinationen, Identitätsverlust, sozialer Rückzug - verdeutlichen Art und Schwere dieser psychischen Störung.
Die Krankheitsursache ist bis heute nur unzureichend aufgeklärt. Gesichert ist, daß eine genetische Disposition zur Erkrankung beiträgt, wobei mehrere - bisher nicht identifizierte - Gene eine Rolle spielen. Diskutiert wird auch eine prä- oder perinatal erworbene biologische Disposition, die in Interaktion mit biopsychosozialen Einflußfaktoren zur Krankheitsmanifestation führt

Trotz vorhandener, aber teils unzureichend genutzter, teils unzureichend differenzierter Therapiemöglichkeiten ist die Erkrankung noch immer eine schwere Belastung für Patienten, Angehörige und Gesellschaft. Über 50% der Angehörigen sind selbst psychisch belastet oder psychiatrisch erkrankt.
Symptomchronifizierung, soziale Behinderung und Stigmatisierung sind auch heute noch das Schicksal vieler Patienten.
Etwa 10-15% der Patienten begehen innerhalb der ersten zehn Jahre nach Krankheitsausbruch Suizid.
Schizophrenie zählt zu den zehn Krankheiten mit der größten Anzahl durch Behinderung verlorener Lebensjahre. Selbst unter optimaler Therapie sind ca. 250.000 Patienten erkrankungsbedingt bereits in jungen Jahren erwerbsunfähig und auf öffentliche Unterstützung angewiesen.
Schizophrenie ist die teuerste psychische Erkrankung. Die jährlichen Kosten für das Gesundheits- und Sozialsystem werden für die BRD auf 7 Mrd. DM geschätzt.
Die direkten und indirekten Kosten sind denen somatischer Volkskrankheiten (Diabetes, Herzerkrankungen) vergleichbar.

Verlauf: Die Erkrankung verläuft meist in mehreren Episoden und neigt zur Chronifizierung (Abb. 2). Zwei Drittel der Patienten erkranken mehrmals, bei vielen kommt es zu bleibenden Beeinträchtigungen, oftmals verbunden mit sozialem Abstieg.
Behandlung: Verfügbare pharmakologische und psycho-soziale Therapiemöglichkeiten zur Akut- und Langzeitbehandlung erlauben Symptomremission und Rückfallprophylaxe in ca. 70% der Fälle. Eine Vielzahl von Faktoren setzt den Behandlungsmöglichkeiten allerdings Grenzen (Noncompliance, Nonresponse, Nebenwirkungen). Die Vorhersagbarkeit des Therapieansprechens und die differentielle Indikationsstellung für unterschiedliche Therapiemaßnahmen sind unzureichend entwickelt.
Versorgung: Das psychiatrische Versorgungssystem ist wesentlich auf die Belange schizophren Kranker ausgerichtet, jedoch sind Kooperation und Koordination der Dienste unzulänglich und es fehlen spezielle Rehabilitationseinrichtungen.

Quelle. http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de

#2 RE: schizophrenie von Regina 17.08.2009 22:52

Versorgung: Das psychiatrische Versorgungssystem ist wesentlich auf die Belange schizophren Kranker ausgerichtet, jedoch sind Kooperation und Koordination der Dienste unzulänglich und es fehlen spezielle Rehabilitationseinrichtungen.

Das ist ja der Punkt,und wenn die Kranken dann auch noch süchtig sind,so wie viele unser Kids,dann wird die Suche nach einer guten Klinik für Doppeldiagnose noch schwieriger.
Wartezeit bis zu 1,5 Jahren und das ganze basiert auf Freiwilligkeit der Klienten,sonst bekommt man dort schon gar keinen Platz.
Aber die meisten sind halt eher Krankheitsuneinsichtig was bei diesem Krankheitsbild auch eher ,, normal" ist.Und da Sie nicht einsehen können das Sie krank sind,haben Sie keine Chance auf einen geeigneten Platz.
Sie bekommen einen Betreuer/rin zur Seite gestellt,viele von Ihnen mit Einwillungsvorbehalt in Wohn/Finanz/Gesundheitsfürsorge.......dürfen aber FREI bestimmen ob Sie nun krank sind oder nicht....Für mich persönlich ein Witz..Man verlangt von Ihnen Einsicht zur Krankheit,für einen Patienten mit paranoiden Schizophrenie ( meine Sohn) ist das ein Ding der Unmöglichkeit.
Wenn ich aber genau das bei Ärzten odert Betreuer erwähne,bekomme ich als Mutter zu hören: Es gibt ein weitgehendes Recht auf "Freiheit zur Krankheit" (BVerfGE Beschluss 58, 208 [224 ff. ...Für mich ist diese Aussage auf Bezug auf meinen Sohn einfach nur dert blanke Hohn.
Eure Regina

#3 RE: schizophrenie von Anja 17.08.2009 23:08

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Oh ja liebe Regina,

Ich weiß auch nicht wohin das mit unseren Kids noch hinführen soll. Mein Sohn ist austherapiert und hat das Recht auf eine eigene Wohnung. Von vornerein zum Scheitern verurteilt, aber uns Mütter bleibt nur die Wahl des hilflosen zuschauens. Ach so, die Kohlen dürfen wir dann auch immer wieder aus dem Feuer holen. Nicht zu vergessen, dass wir danach wieder kein Mitspracherecht zum weiteren Lebensweg unserer entscheidungsfähigen, aber krankheitsuneinsichtigen Kinder haben. Unzählige Male haben wir sie in die Klinik gebracht, wie oft von der Straße aufgelesen und so oft mußten wir mit ansehen wie unsere Kinder ihren Verstand verlieren.

Zitat von Anja
Es gibt ein weitgehendes Recht auf "Freiheit zur Krankheit"


Was für ein Hohn

Alles Liebe
Anja

#4 RE: schizophrenie von Regina 17.08.2009 23:37

Liebe Anja,
Ich weiß es auch nicht,wo das Alles noch hinfürt
Weißt Du,man tut unsere Kids zwangseinweisen,auf geschlossenen Stationen,in in vielen Kliniken einfach nur unterste Schublade sind,sorry aber ist so
Da kommt dann ein Richter,Polizei ,Bereitschaftsarzt je nach dem,und schon werden Sie zwangseingewiesen.
Aber kein Mensch kommt auf die Idee ein Gesetzt zu verfassen das man in bestimmten Fällen wo keine eigne Meinung mehr vorhanden ist ,diese ( unsere) Kinder auch zwangsweise in eine geeignnete Klinik für Doppeldiagnose einweisen zu lassen,nee da geht es dann nur auf Freiwilligkeit.
Ich frage mich sehr oft ob man überhhaupt will/möchte das unsere Kinder wieder gesund werden.Manchmal wenn ich so überlege denke ich,Vater Staat will das einfach nicht.,sonst würde man dieses gesetz verankern.
Es hängt ja wirklich ein Millarden Geschäft daran,wenn ich alleine die Pharma-Industrie sehe,was die an Umsätze macht,das ist der Wahnsinn.
Allein die Firma Lilly( Zyprexa) hat ausergerichtlich Millarden Doller an Geschädigte gezahlt.Das muß man sich mal vorstellen.
Hier ein deutscher Bericht
Gesunde zu Kranken machen - das Beispiel Olanzapin (Zyprexa®)

Olanzapin ist ein Medikament, das zur Behandlung der Schizophrenie und der bipolaren Störung zugelassen ist. Beides sind psychische Störungen, die üblicherweise von Psychiatern behandelt werden. In Deutschland erfolgte die Markteinführung im November 1997. Der Markenname lautet Zyprexa.

Im Januar 2009 akzeptierte die pharmazeutische Firma Lilly in einem Vergleich eine Strafzahlung von 1,415 Milliarden Dollar wegen unzulässiger Marketingpraktiken. Dies ist die höchste Geldstrafe, die jemals gegen ein Unternehmen verhängt wurde. Erst hatte Lilly die Vergehen abgestritten und dann zugegeben. In einer Arbeit, die in der Juli-Ausgabe von Social Science and Medicine erscheint, analysiert Glen Spielmans interne Dokumente von Lilly, die im Rahmen des Strafverfahrens öffentlich wurden und für jedermann einsehbar sind, z.B. unter dieser Adresse: Furious Seasons - Zyprexa Documents.

In diesen Dokumenten wird deutlich, dass Lilly Olanzapin als eine Art "Breitspektrum-Psychopharmakon" vermarktete. Lilly wollte den Markt für Olanzapin durch den Einbezug von Allgemeinärzten erweitern. Diese sollten Olanzapin an Patienten mit "komplizierter Stimmung" ("complicated mood") verschreiben, ein unscharf beschriebenes Bild mit den Symptomen Angst, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Dafür wurden Fallbeispiele konstruiert, die eine große Zielgruppe von Patienten erschließen sollten. Die beschriebenen Symptome entsprachen in keiner Weise den diagnostischen Kriterien eines Störungsbildes des DSM IV. Vielmehr wurden milde und eher unspezifischen Symptome - die auf viele Patienten zutreffen - als behandlungsbedürftig beschrieben, ein Vorgehen, das als "disease mongering" bezeichnet wird (s.a. "Medikament sucht Krankheit" und Osteoporose - kritisch gesehen ).

Mehrere konstruierte Fallbeschreibungen mit Hinweisen für die Pharmavertreter finden sich in dem Lilly-Dokument "Primary Care Sales Force Resource Guide". Darin werden unverblümt die Gesprächstechniken dargestellt, mit denen die Pharmavertreter die Allgemeinärzte zur Verschreibung von Olanzapin bringen sollen - von ausgewogener Information also keine Spur.

Bei der hypothetischen Patientin Donna handelt es sich beispielsweise um eine alleinerziehende Mutter Mitte 30, die in der Praxis mit düsterer Kleidung erscheint und etwas angespannt wirkt. Sie sagt, sie fühle sich in letzter Zeit ängstlich und reizbar. Sie habe heute mehr geschlafen als normal und habe zu Hause und bei der Arbeit Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Vor einiger Zeit war sie jedoch gesprächig, gehobener Stimmung und hatte berichtet, mit wenig Schlaf auszukommen. Damit seien die vier Kernsymptome von "complicated mood" beschrieben, also Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Angst und dazu noch Konzentrationsstörungen, Stimmungslabilität, erhöhte Energie, depressive Stimmung, Verlust von Interesse und Agitiertheit. Aufgabe des Vertreters war es, den Arzt dazu zu bewegen, Patienten mit vergleichbaren Beschwerden das "Breitspektrum-Psychopharmakon" zu verschreiben.

Für die Demenz wurde Olanzapin nie zugelassen. Lilly drängte jedoch in diesen Indikationsbereich und konstruierte hypothetische Patienten, deren Symptome einer Demenz entsprachen.

Durch die erfolgreichen Marketingbemühungen von Lilly haben viele Patienten eine Behandlung erhalten, für die keine Indikation bestand. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen von Olanzapin zählen eine ausgeprägte Gewichtszunahme, die Auslösung eines Diabetes sowie bei älteren Patienten die Erhöhung des Schlaganfallrisikos.

In einer Pressemitteilung vom 15.1.2009 äußert der Vorsitzende von Lilly, dass er das Fehlverhalten seiner Firma zutiefst bedauere.

Glen I. Spielmans. The promotion of olanzapine in primary care: An examination of internal industry documents. Social Science & Medicine. Juli 2009 Abstract

#5 RE: schizophrenie von Regina 17.08.2009 23:47

Also für mich sind das schon Mafia-Methoden.
In der Klinik wo mein Sohn immer ist bekommt fast jeder Zyprexa.......Warum wohl??
Alle verdienen sich eine goldne Nase an unseren Kindern,aber an unsere Kinder und uns als Angehörige denkt keiner.
Ich frage mich wirklich sehr oft in was für einer Welt leben wir eigentlich...Zählt denn Profit mehr als ein Menschenleben??
Liebe Grüße Regina

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