#1 Vorstellung von Sandra 612 04.02.2021 19:37

Hallo zusammen,

ich heiße Sandra, bin 46 Jahre alt, bin verheiratet und wir haben zwei Jungs,16 + 18 Jahre.
Der jüngere Sohn war schon immer ganz problemlos und ausgeglichen. Der 18-jährige ist unser Sorgenkind. Schon als Kleinkind war er anstrengend, eckte an und schließlich wurde bei ihm im Grundschulalter ADHS diagnostiziert.
Das brachte viele Probleme mit sich. Lernen und Hausaufgaben waren sehr schwierig. Für eine längere Medikamenteneinnahme haben wir uns nicht entschieden, hofften wir auf den Ausgleich durch Sport, Musik und einfach viel Bewegung.
Vielleicht hätten wir es doch probieren sollen, denn der Psychologe meinte, es wäre typisch, wenn ADHS Kids nicht medikamentös eingestellt wären, greifen sie oft zu Drogen im Jugendalter. Da mach ich mir etwas Vorwürfe. Er konsumiert Cannabis seit etwa zwei Jahren und hat später ab und zu Kokain konsumiert. Vor einem Jahr wurde es sehr extrem durch Corona. Er bat uns dann Anfang April um Hilfe, erklärte, dass er es nicht lassen kann und es täglich konsumiert und Hilfe benötigt. Im Juli hatte er dann einen Platz im TSI Hannover, was er nach fünf Tagen abbrach. Im Herbst war er zur Entgiftung für zwei Wochen, die er super überstand. Zu Hause sollte er dann ambulant weiter machen, was aber schnell wieder zum Zustand davor kam. Ein schreckliches Leben. Er konnte nicht schlafen, hatte Angst zur Schule zu gehen und hat somit nichts richtiges gemacht. Er verwahrloste innerlich wie äußerlich.
Nun ist er wieder seit einer Woche im Entzug und macht anschließend eine Langzeittherapie. Leider geht es ihm nicht gut, aber er ruft uns jeden Tag an.
Viele Grüße, Sandra

#2 RE: Vorstellung von Käthe 05.02.2021 07:03

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Hi Sandra,

erst einmal herzlich Willkommen hier und gleich zu Beginn, lass die Worte des Psychologen hinsichtlich der ADHS und Ermangelung an Medikamenten nicht zu nahe an dich ran. Die Medikamente, die bei ADHS verordnet werden, sind doch auch meist "Drogen" legale Drogen eben.... ob das immer so gut ist.... Ich glaube, es ist egal, es kann im Drogendschungel jeden treffen und die Problematik bei ADHS - so habe ich es erlesen, ist oftmals die "Selbstmedikamentation", die junge Menschen sich selbst "verordnen" und zu Drogen greifen. Dabei ist es wurscht, ob Medis genommen oder nicht.

Aber wir haben hier einige Mütter, bei deren Kindern ADHS diagnostiziert worden ist. Die kennen sich da sicher besser aus als ich und können mich gut korrigieren, wenn ich falsch liege ;-).

Gut, dass du hier her gefunden und den Mut hast, dich auszutauschen.

LG Käthe

#3 RE: Vorstellung von cilly 05.02.2021 07:52

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Hallo Sandra,
auch von mir ein herzliches Willkommen.
Vorwürfe solltest du dir nicht machen. Ihr habt ja nach besten Gewissen gehandelt und wolltet euren Sohn, die Medikamente ersparen. Im übrigen wird ja auch bei ADHS zu den Medikamenten Ergotherapie, Sport usw gemacht um die Dosis so gering wie möglich zu halten und später mal ganz abzusetzen. Ihr wolltet das Beste für euren Sohn und der Griff zur Pille ist nicht immer das Beste.
Aber es doch schon einmal gut, dass dein Sohn sich Hilfe sucht. Es klappt meistens nie beim ersten Anlauf clean zu werden. Wichtig ist, dass sie wollen, dann werden sie es auch schaffen.
Er hält Kontakt zu euch und so wie du schreibst, scheint ihr ja noch ein gutes Verhältnis zu haben. Ambulante Therapien sind übrigens auch verdammt schwer durchzuhalten. Man ist im eigenen Umfeld usw. und für junge Menschen erst recht. Sie sehen wie ihre Freunde, Kumpels ein normales Leben leben und sie kämpfen gegen die Drogen an. Das ist schon verdammmt schwer.
Mach deinen Sohn Mut. Aber vergess dabei nicht dein eigenes Leben.
Lg Cilly

#4 RE: Vorstellung von Geli3 06.02.2021 17:08

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Liebe Sandra, ein nachträgliches herzlichs Willkommen auch von mir.
Liebe Grüße Geli

#5 RE: Vorstellung von Anja 06.02.2021 19:39

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Liebe Sandra,

auch von mir ein Herzliches Willkommen in unserem Forum.
Ich musste beim Lesen deines Beitrages den Kopf über die Aussage des Arztes schütteln. Ich habe ein ADHS Kind und er bekam Ritalin. Die Aussage damals der Ärzte war genau gegensätzlich. Da hieß es: Mein Kind nimmt Drogen weil er medikamentös behandelt wurde. Mach Dir kein schlechtes Gewissen. ADHS Kinder ob mit oder ohne Medikamente greifen meist zu Drogen um zu kompensieren. Das machen allerdings auch Kinder die kein ADHS haben. Warum, weshalb und weswegen unsere Kinder zu Drogen gegriffen haben, können sie uns nur selbst beantworten. Oft spielen doch so viele Faktoren eine Rolle. Neugier, Gruppenzwang kompensieren, Genetik, Trauma usw. Ich bekomme manchmal Zuviel bei der Aussage, es liegt am Elternhaus, an ADHS weil ohne Medikament, ADHS weil mit Medikamente und dann schön den Eltern, die sich ja sowieso schon stigmatisiert fühlen, ein schlechtes Gewissen zu machen. Versteht mich jetzt nicht falsch; ich möchte keinem Arzt seine Kompetenz absprechen. Sie haben einige Jahre studiert und Berufserfahrung. Aber sie kennen unsere Kinder nur für eine kurze Behandlungsdauer und wir Eltern haben wesentlich mehr "Semester" mit unseren Kindern verbracht. Auch unsere Kinder sind individuell und es lässt sich nicht pauschalisieren ob es mit oder ohne Ritalin zu Drogen gegriffen hätte.
Liebe Sandra, ich wünsche Dir einen guten Austausch.

LG
Anja

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